Seminar über eine tiefgreifende und grundlegende Veränderung


Dieses Seminar dauert einen Tag. Die Teilnehmer reisen morgens an.

Grundzeremonie

Rahmen

Die vorliegende Arbeit wurde auf der Grundlage von Fragen erstellt, die auf den wichtigsten Ideen eines Antwortschreiben Silos auf einen Brief von David Roberts basieren. Der Briefwechsel wurde im Januar 2008 veröffentlicht. Diese Fragen zielen darauf ab, die Bedingungen für eine tiefe individuelle Reflexion und einen gemeinsamen Austausch in Gruppen über das Thema einer tiefgreifenden und grundlegenden Veränderung zu schaffen. Solche Fragen können vom Verständnis her oder intuitiv beantwortet werden. An zweiter Stelle wird durch Meditation beabsichtigt einen persönlichen Zweck zu formulieren. Bezugsmaterial für diese Meditation ist das Thema „Die fünf Zustände des Lebenssinns”, Auszug aus der Anmerkung Nr. 4 aus dem ehemaligen Buch der Gemeinschaft.

Die Briefe und der Auszug aus der Anmerkung befinden sich im Anhang an den Seminartext. Jeder Teilnehmer sollte zu Studienzwecken eine Kopie der Texte zur Hand haben.

Anstatt Zeitangaben für die einzelnen Übungen zu machen, empfiehlt es sich die Teilnehmer die Zeiten selbst festlegen zu lassen.

Übung 1 — Schriftliche individuelle Arbeit

Eine tiefgreifende und grundlegende Veränderung, die Veränderung der geistigen Bedingungen[1], ist durch eine Absicht des menschlichen Bewusstseins möglich.

1. Was verstehe oder erfasse ich intuitiv als eine tiefgreifende und grundlegende Veränderung?
2. Was ist keine tiefgreifende und grundlegende Veränderung, bzw. was könnte als  grundlegende Veränderung „getarnt“ sein?
3. Was verstehe oder erfasse ich intuitiv als eine Veränderung der geistigen Bedingungen?
4. Was wäre keine Veränderung der geistigen Bedingungen?

Eine grundlegende Veränderung ist  in diesem Sinne ohne eine klare Richtung unmöglich.

5. Was verstehe oder erfasse ich intuitiv als eine Absicht des menschlichen Bewusstseins in Bezug auf sich selbst?
6. Was verstehe oder erfasse ich in diesem Sinne intuitiv als klare Richtung?

Das Leben verwandeln gemäß einer tiefgreifenden geistigen Veränderung.

7. Welche Bedeutung hat für mich die Verwandlung meines Lebens gemäß einer tiefgreifenden geistigen Veränderung?
8. Was verstehe oder erfasse ich intuitiv darunter mich aus einem Bedürfnis heraus zu entscheiden mein Leben in diesem Sinne zu verwandeln?

Übung 2 — Arbeit in Dreiergruppen

Austausch über die individuelle Arbeit, Notizen machen.

Übung 3 —  Arbeit in der ganzen Gruppe

Offener Austausch über das Thema, es kann über die individuelle Arbeit oder auch über die Arbeit in Gruppen ausgetauscht werden, Notizen machen.

Übung 4 — Formulieren eines persönlichen Zwecks

Falls man seinen Zweck nicht klar hat, geht es an erster Stelle darum, darüber nachzusinnen von wo aus,  bzw. von welchem inneren „Ort” aus man den Zweck einer tiefgreifenden und grundlegenden Veränderung formulieren sollte. In diesem Sinne muss beachtet werden, dass die am stärksten gefühlten Bestrebungen, die dieser Umwandlung Antrieb verleihen und sie bewegen, nicht aus illusorischen Kompensationen entspringen, die uns subtil und unbemerkt bedingen könnten. Notizen machen.

An zweiter Stelle empfiehlt es sich, über die (beigefügte) Anmerkung Nr. 4 aus dem ehemaligen Buch der Gemeinschaft nachzusinnen und sich Klarheit über den inneren Zustand zu verschaffen, in dem man sich bezüglich des Sinn des Lebens befindet. Notizen machen.

Übung 5 — Arbeit in Dreiergruppen

Austausch über die individuelle Arbeit.

Übung 6 — Arbeit in der ganzen Gruppe

Austausch über die, in der individuellen Arbeit und in der Gruppenarbeit gewonnenen Einsichten.

Übung 7 — Zusammenfassung und individuelle Synthese

Zusammenfassung und Synthese der gesamten individuellen Arbeit.

Abschluss

Vorzugsweise im Saal, man bedankt sich für die gewonnenen Einsichten und bittet um die Verwirklichung der am stärksten gefühlten Bestrebungen.
Abschluss des Seminars mit einem gemeinsamen, freundschaftlichen Essen.


Auszug aus Anmerkung Nr. 4 aus dem ehemaligen Buch der Gemeinschaft

…. 7. Die Erkenntnis, dass nicht alles mit dem Tod endet oder, was das Gleiche ist, die Erkenntnis der Transzendenz über den Tod hinaus, lässt folgende mögliche Einstellungen zu: a) Eine  unzweifelhafte Gewissheit (auch wenn sie nicht nachweisbar und auf andere übertragbar ist), die sich durch die eigene Erfahrung ergibt; b) Eine einfache Glaubensvorstellung, die durch Erziehung oder die Umgebung vermittelt wurde, als ob es sich um eine unzweifelhafte Wirklichkeit handeln würde; c) Der Wunsch, die Erfahrung oder die Glaubensvorstellung zu besitzen; d) Die intellektuelle Vermutung eines möglichen Weiterlebens, ohne jegliche Erfahrung, ohne Glaubensvorstellung und ohne den Wunsch die Erfahrung oder die Glaubensvorstellung zu besitzen. 8. Diese vier Einstellungen und eine fünfte, die jede mögliche Transzendenz leugnet, werden „Die fünf Zustände im Hinblick auf den Sinn des Lebens“ genannt. Jeder Zustand lässt seinerseits verschiedene Grade von Tiefe und Klarheit zu. Obschon sowohl die Zustände als auch die Grade schwanken, erlauben sie in einem bestimmten Moment des Lebens, die Einheit bzw. den Widerspruch im eigenen Dasein festzustellen, und demzufolge auch den Grad an Freiheit, den man besitzt, bzw. in welchem Maße man dem Leiden unterworfen ist. Dies ist außerdem ein praktischer Punkt, weil man jeden beliebigen Moment der eigenen Vergangenheit untersuchen kann, indem man ihn dem entsprechenden Zustand zuordnet und überprüft, wie man sein Leben dementsprechend organisiert hat. Logischerweise lässt sich diese Überprüfung auch zum Verständnis der Gegenwart anwenden. 9. Gleichgültig in welchem Zustand und welchem Grad sich ein Mensch befindet, kann er ihn dank beständiger Arbeit in die von der Lehre vorgeschlagene Richtung weiterentwickeln und vertiefen.

Zusammengefasst: Die Lehre der Gemeinschaft besagt, dass der wahre Sinn des Lebens mit der Bejahung der Transzendenz über den Tod hinaus verbunden ist; dass diesen Sinn zu entdecken das Leben verwandelt, da die drei Wege des Leidens beeinflusst  werden. Sie besagt auch, dass jeder Mensch diesen Sinn finden oder vervollkommnen kann, gleichgültig in welchem Zustand und  welchem Grad man sich befindet.


Briefe von David und Negro - 14. Januar, 2008

Hallo Negro,

ich schicke dir einen herzlichen Gruß aus Sacramento.

Ich schreibe dir heute, weil mich einige Kommentare beunruhigen, die - wie ich hörte - du gemacht haben sollst. Wie berichtet wurde, hast du diese Dinge vor ungefähr 10 Tagen gesagt. Und da meines Wissens keine weitere Erklärung geschickt wurde, dachte ich, ich frage dich direkt.

Die Sache ist die, mir wurde (aus zweiter Hand) berichtet, du habest in einem bestimmten Gespräch mit einigen Leuten - ich glaube, es war ein Abendessen in Manantiales – gesagt, der Mensch könne sich nicht (wirklich) verändern. Und du habest einige Aussagen dahingehend gemacht, die eine Möglichkeit der „wahren Veränderung“ im Inneren der Menschen ausschließen. Ich habe es so aufgefasst, dass du zu einem NEUEN Schluss gelangt bist, und du jetzt sagst, die Menschen seien nicht zu einem grundlegenden und tiefen Grad der Wandlung fähig. Das ist ein ganz neuer Gedanke! Und er weicht sehr von unserer Denkströmung ab.

Nun, ich nehme an, du hast gesagt, was berichtet wurde… aber ich frage mich WAS MEINST DU DAMIT? Und wie soll ich/sollen wir das verstehen?

Wenn ich darüber nachdenke, sage ich mir, wenn ich dieser Tatsache ins Auge sehen muss – sofern es eine Tatsache ist – dass wir Menschen nicht zu wirklichem vermenschlichendem Wandel fähig sind – eine Tatsache, die wir alle über viele Jahre in unserer Arbeit propagiert haben… dann bringt mich das dazu, ANZUHALTEN…, zu suchen und mich zu fragen, was es dann ist, wofür ich (für andere) arbeite und was es ist, woran ich glauben soll?

Seit ich das gehört und darüber nachgedacht habe, habe ich alle meine Projekte, inklusive meine „Siloismus“-Serie auf Eis gelegt, bis ich imstande bin, es zu verstehen. Wir alle vertrauen deinem Denken und deinem Urteil in hohem Maße und so muss ich dich fragen, ob sich die ganze Geschichte verändert hat.

Danke Negro, für die Beachtung meiner Fragen……und ich will einfach noch mal  sagen, dass du immer in meinen Gedanken sein wirst.

Eine feste Umarmung,
David

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Hallo David,

Ja, vor ungefähr 10 Tagen hatten wir tatsächlich ein nettes Abendessen in Manantiales, und bei einem der Abendessen sprachen wir dieses Thema an, dessen Betrachtung mir wichtig erscheint.

Ist eine tiefgreifende und grundlegende Veränderung im Menschen möglich? Ja, ich glaube schon, aber ich unterscheide zwischen einer unleugbaren, aber langsamen Veränderung, die mit dem ersten Hominiden begann, und der Möglichkeit einer grundlegenden Veränderung, die sich weder auf eine einfache mechanische Evolution, noch auf „natürliche“ Unfälle zurückführen lässt, sondern auf eine Richtung, auf eine Absicht des menschlichen Bewusstseins im Hinblick auf sich selbst.

Der Punkt liegt darin, dass die äußeren Veränderungen viele Leute  glauben machen, dies seien die Veränderungen, die es anzustreben gilt. Man sollte über Wissenschaft und Gerechtigkeit hinausgehen, um diese grundlegende Veränderung zu verstehen. Wie wir schon an verschiedenen Stellen betont haben, werden die Bedingungen für die Veränderung von denen erleichtert, die für den Fortschritt der Wissenschaft und der Gerechtigkeit arbeiten, da sie sich die größte Mühe geben, zur Überwindung des Schmerzes und des Leidens beizutragen. Aber es versteht sich, dass selbst Gerechtigkeit und  Wissenschaft verzerrt werden in einer übereilten Parabel, in der sich die Suche nach Veränderung an den Dingen orientiert und das wichtigste der grundlegenden Veränderung außer acht lässt. Dieses Sich-selbst-vergessen, dieses Außer-acht-lassen der Überwindung der geistigen Mechanik ist es, was uns dazu führt, die Möglichkeiten der Veränderung in Frage zu stellen...

Und hier kommen wir zum Punkt dieses beunruhigenden, aber gesunden Abends, an dem wir folgendes zum Ausdruck bringen konnten: Ohne eine klare Richtung in diesem Sinne, ist eine grundlegende Änderung nicht möglich. Und die heutige Zeit verschließt dieser geistigen Richtung den Horizont.

Wer unsere Arbeit über mehrere Jahre hinweg verfolgt hat, konnte feststellen, dass sie sich in die Richtung einer „gleichzeitigen Veränderung“ orientiert hat, und dies hat im Humanismus sehr viel Kraft gewonnen. Die Bemühungen in Bezug auf die Veränderungen  der  geistigen  Bedingungen sind jedoch manchmal schwach und nicht immer dauerhaft gewesen.

Ich lege die Argumente hier etwas brutal dar: Alles, was bislang gemacht worden ist, ist von großer Bedeutung, aber es wird nicht ausreichen, wenn sich die Leute (selbst die nettesten und gütigsten) nicht für eine Verwandlung ihres Lebens entscheiden und das Bedürfnis nach einer tiefgreifenden geistigen Veränderung erkennen. Das ist es worum es bei unserer Arbeit in der letzten Phase geht; das ist es worum es bei der Botschaft geht.

Ich glaube, wenn man in der gegenwärtigen Situation, in der sich die Menschheit (und natürlich wir selbst) befinden, nicht an der Überwindung jeglicher Zensur und Eigenzensur arbeitet, sich den Bedeutungen und Arbeiten der Botschaft nicht entschieden zuwendet, wird eine grundlegende Änderung nicht möglich sein. Die Richtung muss sich dem tiefsten Inneren des Bewusstseins zuwenden, um Verbindung mit den Bedeutungen herzustellen, die die Evolution des Menschen seit jeher langsam voran getrieben haben. Jetzt ist es dringend, und es gibt keinen anderen Weg mehr, als diesen Impuls bekannt zu machen.

Als wir bei diesem Abendessen über die Schwierigkeiten sprachen, denen sich der menschliche Verstand gegenübergestellt sieht, ergriff die Anwesenden ein eisiger Wind der Entmutigung. Es blieb die Empfindung zurück, dass wir so wie wir jetzt in unser Menschsein versunken sind, nicht bis ins tiefste Innere vordringen, und wenn dies so ist, ist eine wesentliche Veränderung nicht möglich. Dies war der traurigste Teil der Rede, auf den die Leute etwas stoisch antworteten: "... was du sagst, klingt nicht sehr hoffnungsvoll!"

Aber mal abgesehen von dieser Anekdote, glaube ich, dass wir über eine Art innere Verbindung verfügen, die sich ausdrücken kann und dies ist möglich, weil wir alle diese unergründliche Quelle des tiefsten Inneren in uns haben, von deren Wasser wir trinken sollten.

Mein lieber David, ich glaube, dass viele den Ernst des gegenwärtigen Moments begriffen haben, und dein Brief spiegelt das Geschehene wider, das sein Ende noch nicht gefunden hat.

Meine herzlichste Umarmung,
Negro


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