Der Glaube


...Wann immer du eine große Kraft, Freude und Güte in deinem Herzen empfindest oder wann immer du dich frei und ohne Widersprüche fühlst, danke sogleich in deinem Inneren dafür. Wenn dir das Gegenteil widerfährt, dann bitte vertrauensvoll und jene Dankbarkeit, die du in dir angesammelt hast, wird zu deinem Nutzen verwandelt und verstärkt zu dir zurückkommen.

Auszug aus dem Buch “Der Innere Blick”, Silo


1) Kapitel  XIV aus “Die Innere Landschaft”

  1. Immer wenn ich das Wort «Glaube» höre, regt sich ein Verdacht in mir.
  2. Jedesmal, wenn jemand von «Glauben» spricht, frage ich mich, welcher Sache das, was man da verkündet, dient.
  3. Ich habe den Unterschied zwischen naivem Glauben (auch als «Gutgläubigkeit» bekannt) und jenem anderen gewalttätigen und ungerechtfertigten Glauben gesehen, der dem Fanatismus den Boden bereitet. Keiner von beiden ist annehmbar, denn während der eine dem Unglück Tür und Tor öffnet, zwingt der andere seine fiebrige Landschaft auf.
  4. Aber diese ungeheure Kraft muss etwas Wichtiges an sich haben, ist sie doch fähig, die beste Sache voranzutreiben. Möge der Glaube eine Überzeugung sein, die sich auf ihre Nützlichkeit für das Leben gründet.
  5. Wenn man behauptet, der Glaube und die Wissenschaft stünden gegeneinander, werde ich erwidern, dass ich die Wissenschaft akzeptieren werde, solange sie sich nicht gegen das Leben richtet.
  6. Wenn der Glaube und die Wissenschaft dieselbe Richtung haben, hindert sie nichts daran, den Fortschritt voranzutreiben, indem die Begeisterung die beständige Anstrengung unterstützt.
  7. Und wer die Welt menschlich machen will, möge helfen, den Mut aufzurichten, indem er die Möglichkeit in der Zukunft aufzeigt. Nützt etwa dem Leben die Haltung des Skeptikers, der die Niederlage schon vorwegnimmt? Hätte sich die Wissenschaft ohne den Glauben aufrechterhalten können?
  8. Es gibt noch eine andere Art von Glauben, der sich gegen das Leben richtet. Der Glaube, der folgendes betont: «Die Wissenschaft wird unsere Welt zerstören!» Um wie viel besser wäre es, den Glauben zu haben, die Wissenschaft jeden Tag menschlicher machen zu können und konsequent zu handeln, damit die positive Zielrichtung der Wissenschaft, die ihr in ihrer Geburtsstunde gegeben wurde, auch in Zukunft triumphiert!
  9. Wenn ein Glaube die Zukunft öffnet und dem Leben einen Sinn gibt, indem er es vom Leiden und vom Widerspruch weg zur gültigen Handlung hin ausrichtet, dann ist seine Nützlichkeit offenkundig.
    Dieser Glaube ist, wie der Glaube, den wir in uns selbst, in die Anderen und in die Welt um uns herum setzen, für das Leben nützlich.
  10. Wenn du sagst «Der Glaube ist nützlich», wirst du damit wahrscheinlich manch besonders empfindliches Ohr verletzen. Aber das sollte dich nicht beunruhigen, denn wenn dieser so musikalische Mensch sich selbst ein wenig genauer betrachtet, wird er erkennen, wie nützlich auch für ihn der Glaube ist, selbst wenn er auf einem anderen Instrument als dem deinen erklingt.
  11. Wenn du den Glauben an dich selbst und an das Beste in den Menschen deiner Umgebung gewinnst, Glauben in unsere Welt und in das immer zur Zukunft hin offene Leben, dann wird jedes Problem, das dir bis heute unüberwindbar erschien, kleiner werden.

2) Die Aphorismen

Eine gute Hilfe einen Glauben zu entwickeln, der für das tägliche Leben nützlich ist, sind folgende kurze Sätze, die wir “Aphorimsen” nennen.

Der erste lautet: „Gedanken bewirken Handlungen und ziehen Handlungen an“. Was soll das heißen, dass Gedanken „Handlungen bewirken“? Es heißt, dass wir entsprechend dem, was wir fühlen oder an was wir uns erinnern oder was wir uns vorstellen, handeln. Offensichtlich entspricht jede Handlung, die ich vollziehe, dem, bisher eingeübten, und sie wird in dem Maße funktionieren, in dem ich klar habe, was ich tun will. Wenn meine Gedanken verworren sind, sind sehr wahrscheinlich auch meine Handlungen verworren und so weiter. Was den Punkt angeht, dass Gedanken „Handlungen anziehen“, ist es offensichtlich, dass verworrene Handlungen auch in meinen Aktivitäten und in den Personen, an die ich mich wende, zur Verwirrung führen. Als Konsequenz daraus werden Ergebnisse dieser Art auf mich zurückkommen. Wenn meine Gedanken voller Groll sind und ich entsprechend handle, wird das sicherlich zu mehr Groll führen und ich werde solche Handlungen von anderen Personen auf mich ziehen. Es reicht, dass jemand an sein „Unglück“ glaubt, um durch seine Handlungen und die der anderen in unglückliche Situationen oder Vorfälle zu geraten.

Der nächste Aphorismus lautet: „Die mit Glauben verbundenen Gedanken bewirken starke Handlungen und ziehen starke Handlungen an“.  „Glaube“ bedeutet Überzeugung, starke Gefühle, die Sicherheit, dass eine Sache so ist, wie ich glaube. Es ist nicht das Gleiche mit Zweifeln zu denken, oder mit der Kraft der Emotionen. Es genügt sich anzuschauen, was ein Gefühl wie die Liebe zu bewegen imstande ist, um zu verstehen, was wir meinen.

Der dritte Aphorismus lautet: „Die mit Glauben wiederholten Gedanken bewirken die größte Kraft in den Handlungen und ziehen die stärksten Handlungen an“.

Je öfter eine Handlung oder ein Gedanke wiederholt wird, desto stärker wird er im Gedächtnis gespeichert, desto stärker werden die Gewohnheiten und desto bereiter wird man sein für zukünftige Handlungen in diese Richtung. Wenn jemand kontinuierlich mit Glauben denkt, er sei krank, wird er letztendlich eher krank werden, als jemand, der das nur flüchtig oder ohne Überzeugung denkt. Das gilt auch für die Lebensprojekte, die ich habe. Sie müssen klar sein, vom Glauben getragen und immer wieder überdacht werden. Dann werden meine Handlungen in diese Richtung gehen, und sie werden in meiner Umgebung und in den Menschen,  Antworten in die Richtung hervorrufen, die mich interessiert.


Bibliographie:
Die Innere Landschaft, Die Erde Menschlich Machen. Gesammelte Werke I. Silo
Das Buch der Gemeinschaft, Studienthemen.

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